Grillstation BBQ-Butler geht an den Start

Einfache Handhabe, vandalismussicher und hygienisch: Die Innovation von Maschinenbaustudenten hat den ersten Campingplatz erobert.

 

Mangelnde Sauberkeit auf öffentlichen Grillplätzen, bereits belegte Grillmöglichkeiten, Rauch- und Geruchsbelästigung durch Holzkohle, umweltunfreundliche Alternativen wie Einweggrills – Spaß macht das nicht immer und besonders innovativ ist es definitiv nicht, dachten sich die Maschinenbaustudenten Andreas Nuber und Felix Warrisch. Sie haben eine autarke, sich selbst reinigende und vandalismussichere Grillstation entwickelt. Die wirtschaftliche Tragfähigkeit ihrer Innovation wurde im Sommer durch die Genehmigung des EXIST Gründerstipendiums bestätigt.

 

Nun hat der erste BBQ-Butler, so der Name der Grillstation, einen Standort bezogen: Gäste des 5-Sterne-Campingplatzes Gitzenweiler Hof bei Lindau können die Dienste des Butlers für sich beanspruchen. „Wir freuen uns riesig, dass sich der BBQ-Butler nun dem Praxistest stellen kann. Für uns ist das eine große Chance, wenn wir nun aus den Erfahrungen der nächsten Monate weitere Optimierungsansätze für Nutzer und Betreiber erkennen und die Station entsprechend anpassen können“, sagt Felix Warrisch.

BBQ-Butler

 

„Der Perfektionismus ist schwer ruhigzustellen“

 

Seit Beginn seines Maschinenbau-Studiums arbeitet  der Ingenieur an seiner Entwicklung. Von Semester zu Semester kamen nicht nur neue Ideen hinzu, sondern auch Mitstreiter wie Kommilitone Andreas Nuber. Karl-Hermann Katzoreck, Lehrbeauftragter an der Fakultät Maschinenbau, bescheinigt seinen ehemaligen Studenten und ihrer Grillstation beste Erfolgsaussichten: „Der Perfektionismus der beiden Studenten ist schwer ruhigzustellen“, sagt Katzoreck. Dabei mussten die beiden im Laufe der Jahre manche Tiefschläge einstecken.

 

Ein erster Antrag für ein EXIST-Stipendium vor zwei Jahren wurde abgelehnt. Für viele, die die Entwicklung der Grillstation verfolgt hatten, aus schwer nachvollziehbaren Gründen. Felix Warrisch und Andreas Nuber sahen in der Ablehnung jedoch keinen Grund aufzugeben, ganz im Gegenteil. Sie glaubten weiter an ihr Produkt und arbeiteten mit eisernem Willen weiter. „Es bestand nach der ersten, leider nicht erfolgreichen Bewerbung kein Zweifel, dass es zu einer Neueinreichung des Antrags kommen würde – das Vorhaben war zum damaligen Zeitpunkt vielleicht noch nicht perfekt gereift, aber das Potenzial war unverkennbar“, sagt Christina Ungerer, die die Gründer von Kilometer 1, der gemeinsamen Gründerinitiative von Universität Konstanz und HTWG, begleitet. Sie freut sich mit dem Team, dass es nun im zweiten Anlauf mit der Förderung geklappt hat. „Wir haben die Idee nochmal komplett auf den Prüfstand gestellt. Die erste Ablehnung war schwer zu akzeptieren, aber sie hat uns geholfen, das Grillsystem BBQ-Butler zu hinterfragen und vor allem wirtschaftlich zu optimieren. Es hat sich gelohnt hartnäckig zu bleiben.“, sagt Felix Warrisch im Rückblick.

 

BBQ-Butler nach Grillgang

Die Grillplatte nach dem Grillvorgang...

BBQ-Butler nach Spülgang
... und nach der im BBQ-Butler integrierten Reinigung. Die nächsten Grillfreunde freut's.

Zum Beispiel haben sie den Aufbau der Grillstation grundlegend verändert: War bei den ersten Prototypen die Grillplatte noch oben in den Tisch integriert, fährt sie nun wie eine Schublade nach vorne aus. „Das bietet den Vorteil, dass so eine noch höhere Sauberkeit der gesamten Grillanlage für den nachfolgenden Anwender gewährleistet werden kann. Wo sich beim Vorgängermodell die Fettspritzer noch auf der Ablagefläche absetzen konnten, wird durch die neue Anordnung der Grillfläche ein Verschmutzen der Ablageflächen vermieden, was gleichzeitig die Grundreinigungskosten senkt“, erläutert Andreas Nuber.

 

Buchung per App

 

Die Grillstation verfügt über zahlreiche weitere Besonderheiten – schon vor Beginn der Nutzung: Über eine Smartphone-App können Grillbegeisterte die BBQ-Butler Grillstation buchen und direkt zahlen. Sollte sie besetzt sein, können weitere umliegende BBQ-Butler mit Hilfe der App geortet und in ihrer Verfügbarkeiten geprüft werden.

Vor Ort öffnet sich nach Aktivierung die Grillplatte für die Nutzer*innen. Auf zwei getrennt regelbaren Teppanyakiflächen können hier nun Gemüse, Fleisch, Wurst, Fisch, Käse und Co. frisch zubereitet werden.

 

Selbstständige Reinigung

 

Nach dem gebuchten Zeitraum schließen die Nutzer*innen den Grill. Nun kommt die integrierte Reinigungseinheit zum Einsatz. Sie spült automatisch nach jedem Grillvorgang die Grillfläche in wenigen Minuten, so dass sie schnell den nächsten Nutzer*innen mit größtmöglichem Hygienestandard wieder zur Verfügung steht – gerade in Zeiten von Corona ein wesentlicher Vorteil.

Nicht nur Grillbegeisterte können von der Station und ihrer Funktionalität profitieren, sondern auch die weniger Grillbegeisterten: Denn auch die Betriebszeit der Station lässt sich einstellen, so dass auf Wunsch zum Beispiel um 23 Uhr im wahrsten Sinne der Ofen aus ist. Zudem werden Anwohner*innen nicht durch Grillrauch und herumliegende Einweggrills belästigt, Grünflächen werden geschont. Neben Kommunen und Campingplätzen könnten zum Beispiel auch Firmen den BBQ-Butler nutzen – für ihre Mitarbeiter*innen und Kund*innen als kommunikativen Treffpunkt und Thinktank.

 

Blick über den fachlichen Tellerrand hinaus

 

Bis der Grill wie gewünscht funktionierte, mussten Felix Warrisch und Andreas Nuber weit über ihren fachlichen Tellerrand hinausschauen. Felix Warrisch selbst studierte Maschinenbau Entwicklung und Produktion (MEP), sowie im Anschluss den Masterstudiengang MMS. Mit ins Boot geholt hat er seinen Kommilitonen Andreas Nuber vom Studiengang Maschinenbau Konstruktion und Entwicklung (MKE). Für die Erarbeitung des Corporate Designs konnten sie die Kommunikationsdesignerin Lilith Zachwieja begeistern, die App wurde von den Informatik-Studierenden des Masterstudienganges MSI im Rahmen des Teamprojektes entwickelt und programmiert.

 

BBQ-Butler Campingplatz Gitzenweiler Hof

Der erste BBQ-Butler ist in Betrieb genommen. Das Team des Campingplatzes Gitzenweiler Hof begrüßte das Team des BBQ-Butler. Ganz besonders freuen sich darüber die Gründer Andreas Nuber (dritter von links) und Felix Warrisch (vierter von links).

„Ich finde es faszinierend, mit welch beständiger Hartnäckigkeit die Gründer ihr Ziel verfolgten“, sagt Prof. Dr. Uwe Kosiedowski, Professor für mechatronische Systeme. In ihrem Hang zum Perfektionismus haben sie sich über die Jahre auch in Fächer eingearbeitet, die nicht in ihrem Lehrplan standen. „Die fachliche Breite ist bemerkenswert“, bescheinigt Prof. Kosiedowski den Gründern, schließlich mussten sich die jungen Männer auch mit praktischer Regelungstechnik, elektrischen Antrieben, Sensorik, Mikrocontrollern und weiteren Herausforderungen befassen. Unterstützt wurden sie von Karl-Hermann Katzoreck. Der Lehrbeauftragte für Konstruktion hat an das Projekt geglaubt und ist stolz auf die Studenten. „Es ist faszinierend, dass sich Herr Warrisch und Herr Nuber schon zum Start des Studiums mit unerschütterlicher Ernsthaftigkeit und Gründlichkeit diesem Projekt gewidmet haben. Ich weiß, wie viel Tiefschläge es gab. Aber bei der gründlichen Herangehensweise war mir klar, dass das kein Strohfeuer ist“, so Katzoreck.

 

Hohe Anforderungen an Hygiene und Sicherheit

 

Die Kernidee entzündete sich bei Felix Warrisch übrigens während eines Australien-Aufenthalts, wo ähnliche Grillstationen auf öffentlichen Plätzen zur Verfügung stehen. Verschiedene Marktanalysen, unter anderem mit der Ludwig-Maximilian-Universität München, befeuerten das Vorhaben: In Deutschland - nicht nur am Studienort Konstanz - besteht Bedarf, war seine Schlussfolgerung. Die hohen Anforderungen an Hygiene und Sicherheit haben die Produktentwicklung maßgeblich vorangetrieben. Messebesuche dienten dazu, unterschiedliche Reinigungskonzepte zu erarbeiten und mögliche Sponsoren für dieses Projekt zu gewinnen. Und die Ideen loderten stetig weiter, was sich in dem dynamischen Lastenheft wiederfand.

Es gibt viele, die den beiden für den zukünftigen Erfolg die Daumen drücken: Ihre Familien, die Professoren und nicht zuletzt die Studierenden, die sich auf den Grillabend am See freuen. Und sicher auch der eine oder andere Bauhof-Mitarbeiter, der die Einweggrills entsorgen und die abgekokelten Rasenflächen reanimieren muss.

 

von Anja WischerHochschule Konstanz

Technik, Wirtschaft und Gestaltung

 

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